Experiment PILZZUCHT im Garten: Braunkappen auf Stroh (Teil 1)

© JaStr / Pixabay.com
Pilze aller Art sind ein fester Bestandteil auf unserem Speisezettel. Die Freude beim Suchen - und vor allem beim Finden! - gehört natürlich auch dazu. Aber zu einer Pilzpfanne aus gekauften Champignons oder Pfifferlingen würde ich auch niemals nein sagen. Schon lange beschäftigen wir uns mit dem Gedanken, auch einmal eine Pilzzucht im Garten zu versuchen. Dieses Jahr soll es nun so weit sein. Kommt mit auf unser "Experiment Pilzzucht".


Pilze sammeln oder züchten?


Komische Frage eigentlich. Man kann ja das eine tun und muss das andere nicht lassen!

Schon als Kind bin ich mit dem Suchen und Zubereiten von Pilzen aufgewachsen. Damals verbrachten wir viel Zeit unserer Sommerferien bei Verwandten im schönen Landsberg / Lech. Wenn man so will, wurde ich damals mit dem "Pilzfieber" infiziert. Die verschiedenen Röhrlinge (das Bild oben links ist überdies ein Maronenröhrling und keine Braunkappe - ein Bild meiner Braunkappen liefere ich nach, sobald mir die Zucht geglückt ist) auseinander zu halten, ist für mich kein Problem, aber auch verschiedene Lamellenpilze wie Parasol, Schopftintling oder Anis-Schirmling (den ein polnischer Bekannter wegen seiner Ähnlichkeit mit dem Gefieder einer Eule immer als 'Eulenpilz' bezeichnete) landen in meinem Sammelkorb.

Bei einer Pilzzucht fällt natürlich der Sammeltrieb weg - dafür kann man sich recht sicher sein, wenn Pilze an der beimpften Stelle wachsen, dass es dann auch die gewünschten Pilze sind - und man kann sie schnell ernten, ohne vorher stundenlang durch den Wald zu traben.


Anbau von Speisepilzen - eine Wissenschaft für sich?


Infos zum Anbau von Speisepilzen im Garten gibt es im Internet reichlich, so dass ich mich schon im Winter etwas in die Thematik einlesen konnte.

Passenderweise wurde aber auch Anfang April vom "Kreisverband Remscheid der Kleingärtner e. V." ein Fachverbandsseminar zu genau diesem Thema angeboten - an dem wir selbstverständlich teilnahmen. Referent war Dipl. Ing. grad. Wernhard Einar Schmidt, seineszeichens langjähriger Mitarbeiter an der 'Versuchsanstalt für Pilzanbau der Landwirtschaftskammer Rheinland' in Krefeld und Autor des Fachbuches "Anbau von Speisepilzen", auf das ich bei meiner Recherche auch bereits gestossen war.

In dem Seminar haben wir viele Tipps rund um den Pilzanbau erhalten und auch einige offene Fragen konnten von Herrn Schmidt beantwortet werden, so dass wir uns nun mit gestärktem Rücken an mein Experiment wagte.


Auswahl der Pilzbrut


Pilzbrut für Braunkappen gibt es
zum Beispiel bei Amazon1.
In einem ersten Versuch möchten wir gerne Braunkappen züchten. Die Pilzbrut haben wir über das Internet (Amazon1) bestellt. Pilzbrut gibt es als Körnerbrut, Substratbrut, als Impfdübel oder als Myzelpatch. Wir haben uns für die Körnerbrut entschieden, da diese eine besonders gute Qualität haben soll. Substratbrut ist dagegen etwas günstiger, Dübel und Patches leicht zu verarbeiten. Im Grunde ist es wohl egal, für was man sich entscheidet, funktionieren werden sie - hoffentlich - wohl alle.

Warum Braunkappen? Es ist ein vorzüglicher Speisepilz, den man - so heisst es jedenfalls - relativ leicht im Garten züchten kann. Als "Versuchskaninchen" also perfekt für uns, die wir doch mit Pilzzucht im Garten noch so gar keine Erfahrungen haben.


Vorbereiten  des Strohballens


Braunkappen werden auf Strohballen gezogen. Am besten eignet sich dazu ein Ballen aus Weizenstroh. Der Ballen muss frisch duften - riecht er muffig, ist er eventuell schon mit Schimmelpilzen befallen und ein Zuchterfolg bliebe auf diesem Ballen aus. Dieser muss nun vor dem Beimpfen mit der Pilzbrut 24 Stunden gewässert werden. Dabei wird ein semi-anaerober Gärprozess in Gang gesetzt, der wichtig ist für das Gelingen der Pilzzucht.

Wir haben uns für einen sogenannten Handballen entschieden, da dieser etwas kleiner und daher leichter zu handhaben ist als ein normal großer Strohballen. Handballen wie auch andere Strohballen bekommst du beim Bauern deines Vertrauens oder im Raiffeisen-Markt.

Den Ballen haben wir in eine große Regentonne gestopft, beschwert und den Deckel der Regentonne mit Expandern festgezurrt, damit der Strohballen nicht nach oben trieb. Nach etwas mehr als 24 Stunden haben wir ihn dann wieder aus der Tonne herausgeholt - was sich bereits beim Handballen als schwierig herausstellte, da dieser - nun mit Wasser vollgesogen - um einiges schwerer war als zuvor.

Nun musste der Strohballen noch einmal 24 Stunden abtropfen, bevor mit dem Beimpfen begonnen werden konnte.

Wir haben dann schon einmal den Standort vorbereitet: Eine Ecke in unserem Garten erschien uns ideal für die Pilzzucht, und zwar an einer Mauer unter hohen Büschen - ideal geschützt vor Wind und direktem Regen sowie zu hoher Sonneneinstrahlung. Hier haben wir die Erde in der Größe des Strohballens etwa 10 cm tief ausgehoben und etwas "gute" Komposterde aufgetragen. Wichtig ist, dass der Strohballen direkten Erdkontakt hat. Es ist zwar noch unerforscht, was sich die Pilze letzten Endes aus dem Boden holen (Nährstoffe, Wasser etc.), aber in Versuchen hat man festgestellt, dass ohne Erdkontakt keine Pilzzucht möglich ist. Man kann auch den Ballen nach dem Beimpfen und der Durchwachszeit mit Erde eindecken - hier ist allerdings die Gefahr des Verschlämmens wohl zu groß.

Beimpfen eines Strohballens mit Braunkappen-Körnerpilzbrut



Beimpfen des Strohballens mit der Pilzbrut


Die Pilzbrut ist eigentlich nichts anderes als das Myzel, der eigentliche Pilz. Die Pilze, die bei uns irgendwann einmal in der Pfanne schmurgeln, sind nur die Früchte, wie der Apfel beim Apfelbaum. Das Myzel bekommt man in verschiedenen Varianten. Wir haben uns für die Körnerbrut entschieden, dabei werden Weizenkörner mit dem Myzel beimpf. Wenn man in die Flasche hineinschaut (die Körnerbrut wird in Flaschen geliefert), kann man auch die einzelnen Weizenkörner noch erkennen.

Das Beimpfen mit der Pilzbrut war dann eigentlich recht simpel. An mehreren Stellen haben wir mit Hilfe einer hohlen Stange (ideal ist auch ein Pflanzer1) ein Loch in den Ballen gestochen und in dieses Loch dann Pilzbrut gegeben. Ein paar Pflanzschaufeln Komposterde haben wir noch über den Strohballen gestreuselt. Anschließend wurde der Ballen auf das vorbereitete Beet gestellt und mit schwarzer Folie gut zugedeckt.

Jetzt heisst es warten... bis das Myzel den Strohballen komplett besiedelt. Das kann gut und gerne 6 Wochen dauern.

Wir sind sehr gespannt, was in dieser Zeit passieren wird und ob unser Experiment glückt. Wir halten euch natürlich auf dem Laufenden!


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