Ein Insektenhotel im Garten - warum?

Insektenhotel im Garten - warum?
Immer  öfter zieren sogenannte Insektenhotels die Kleingärten. Dabei handelt es sich um nichts anderes als Nisthilfen für wildlebende Insekten wie zum Beispiel Wildbienen. Doch viele Menschen schrecken  davor zurück, diese Nisthilfen aufzuhängen - aus Unwissenheit oder Angst, sich "Ungeziefer" in den Garten zu locken oder auch aus Furcht, von Wildbienen gestochen zu werden. Dabei sind es sehr friedliche und fleissige Nützlinge, denen wir mit einem Insektenhotel ein Heim anbieten.

Allerdings ist nicht jedes Insektenhotel, das es im Handel zu kaufen gibt, wirklich gut. Oft sind Füllungen darin enthalten, die Bienen so gar nichts nützen. Worauf Ihr achten solltet und welche Insektenhotels ihr getrost im Regal stehen lassen könnt, lest ihr hier!


Als es in unserem Kleingartenverein darum ging, Nistkästen für Vögel anzuschaffen, war die Resonanz erfreulich groß: Schon nach wenigen Tagen konnten wir eine Sammelbestellung von über 40 Nistkästen aufgeben!

Doch als es um die Frage ging, wer denn auch ein Insektenhotel haben möchte, meldeten sich gerade einmal eine Handvoll Gartenkollegen.

Offenbar ist Sinn und Zweck eines solchen Insektenhotels noch relativ unbekannt. Das brachte mich auf die Idee, auch einmal in meinem Blog eine Lanze für die Insekten zu brechen und über den Nutzen zu berichten, den wir davon haben, wenn wir Wildbienen und Co. eine geeignete Unterkunft anbieten.


Insektenhotel - was nutzt uns das?


Insekten aller Art sind für die Pflanzenbestäubung unabdingbar. Eine Studie der Universitäten Lüneburg, Würzburg und Rio Negro (Argentinien) ergab, dass wildlebende Insekten - darunter neben Wildbienen auch Hummeln, Hornissen, Wespen, Käfer und Schmetterlinge - im Vergleich zur bekannten und auch geschätzten Honigbiene viel effektiver für eine erfolgreiche Pflanzenbestäubung und sogar für einen höheren Fruchtansatz sorgen. Für etwa 80 % unserer Pflanzen ist die Bestäubung durch wildlebende Insekten unverzichtbar.

Biene auf Blume    Biene auf Blume

Auf die Honigbiene sollten wir uns also allein nicht verlassen, wenn wir in unserem Garten eine gute Ernte einfahren sollen. Selbst dann nicht, wenn man wie wir in unserer Kleingartenanlage gleich 2 Imker am und auf dem Gelände weiß.

Neben der Bestäubungsleistung der Wildbienen zählen aber auch die Nützlingseigenschaften verschiedener Wespenarten wie z. B. der Schlupf- oder Grabwespe, die Schädlinge wie Blattläuse, Raupen oder Käfer auf ihrem Speisezettel haben und somit einen großen Beitrag zur ökologischen Schädlingsbekämpfung leisten.

Die mit einem Insektenhotel angebotene künstliche Behausung kann dem Notstand geeigneter natürlicher Unterschlüpfe der wildlebenden Insekten entgegenwirken. In der Natur suchen sie zum Beispiel Mauernischen auf, nisten in altem Holz, hohlen Zweigen oder in offenen Bodenstellen.

Außerdem können Insektenhotels das Interesse an der Natur wecken, einfach, weil man sie besser beobachten kann als einen versteckten Nistplatz. Und zudem können sie gleich noch als Zierde für den Garten durchgehen - sind die meisten Insektenhotels doch recht ansehnlich gebaut.


Vorurteile gegen Insektenhotels


Insektenhotels bieten wildlebenden Insekten sowohl einen Nistplatz als auch einen Unterschlupf bei schlechter Witterung. Viele Menschen haben immer noch Vorurteile gegen Insekten und wollen mit einem Insektenhotel kein "Ungeziefer" anlocken. Dabei holt man sich damit nur viele kleine Helfer in den Garten, die am allerwenigsten daran interessiert sind, uns zu stechen oder zu belästigen.

Wildbienen beispielsweise haben zwar einen Stachel und können diesen natürlich auch zur Verteidigung einsetzen. Allerdings ist dieser vor allem als Schutz gegen andere Insekten und Kleinsäuger gedacht. Die menschliche Haut ist an den meisten Stellen viel zu dick für den Stachel einer Wildbiene. Und sollte es dennoch einmal zu einem Stich kommen, ist dieser nur ein minimaler Piecks ähnlich der Spritze bei einer Impfung und mit dem Stich einer Honigbiene nicht vergleichbar.

Außerdem greifen uns diese Insekten nicht grundlos an. Sie verteidigen lediglich sich selbst, wenn sie bedroht werden, und natürlich ihre Brut - aber das würden wir ja auch nicht anders machen, wenn wir mal ehrlich sind.

Insektenhotel - bauen oder kaufen?


Insektenhotels gibt es z. B. bei Amazon
Nun, die Wildbiene wird nicht schauen, ob ein teures Preisschild auf dem Nistkasten klebt oder das selbstgebastelte Hotel vielleicht etwas schief ist. Kleine Insektenhotels gibt es schon für rund 10 € zu kaufen, z. b. bei Amazon.

Interessanterweise sind viele (nicht alle!) im Handel angebotene Insektennistkästen eher ungeeignet und werden von Insekten kaum besucht. Deshalb sollte man auf ein paar wichtige Punkte achten:
  • Insektenhotels sollten eine Mindesttiefe von 9 bis 10 cm haben - flachere Hotels sind nur nett anzuschauende Dekoartikel für den Garten...
  • Röhren müssen so fest im Haus angebracht sein, dass Vögel diese nicht herausgeziehen können.
  • Füllungen mit (Kiefern-)zapfen sind völlig unsinnig, da Wildbienen nur in Röhren nisten! Diese Füllungen sind aber billig 😒 und machen schnell eine große Fläche voll...
  • Die Röhren dürfen nicht mit Mark gefüllt sein - es gibt zwar auch Wildbienen, die sich selbst Nistgänge in markgefüllte Stängel graben, diese gehen allerdings nicht an waagerechte Stängel!
  • Die Bohrlöcher dürfen nicht fransig sein - die Flügel der Wildbienen können sonst verletzt werden und das arme Tier ist für den Rest seines (dann wahrscheinlich nur noch sehr kurzen) Lebens Fußgänger!
  • Bohrlöcher in Hirnholz (also auf der Seite, wo man die Jahresringe sieht) sind ungünstig, da das Holz hier zum Reissen neigt und Wildbienen gerissene Röhren aufgrund der Kontaminationsgefahr durch Parasiten meiden.
  • Maschendraht vor den Röhren soll Vögel davon abhalten, die Röhren herauszuziehen. Ist also nett gedacht, aber leider unsinnig, wenn der Draht zu dicht von der Röhren angebracht ist und der Wildbiene den Einflug unmöglich macht.

Die kostenlose Bauanleitung
für unser Insektenhotel findet ihr
hier im Blog!
Ein Insektenhotel selbst zu bauen ist aber auch nicht wirklich schwierig und ist oftmals mit Materialien zu bewerkstelligen, die man sowieso im Garten findet. Ein paar Bretter Restholz, ein paar hohle Halme (z. B. vom abgelagerten Holunder, von Schilf oder Bambus), Lehm oder Hartholz-Klötze - der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Wer nun Lust bekommen hat, ein Insektenhaus selbst zu bauen, der sollte sich einmal diese Tipps zum Bau eines Insektenhotels auf der NABU-Seite ansehen.




Insektenfreundlicher Garten


blühendes Staudenbeet
Natürlich ist es mit einem Hotel allein nicht getan - unsere Gäste haben schließlich Vollpension gebucht und wollen auch ordentlich versorgt werden. Eine wöchtenlich gemähte Wiese und eine Rabatte mit fremdländischen Zierblumen ist da nicht gerade eine Einladung an die gedeckte Tafel.

Wildinsekten stehen ganz besonders auf Kräuter! Ein Kräutergarten mit Thymian, Oregano, Borretsch, Bohnenkraut, Lavendel, Melisse und etlichem mehr bereichert also nicht nur unseren Speisezettel.. Ein Blumenbeet mit Rittersporn, Spiere, Sonnenblumen und Fingerhut oder eine naturnahe Hecke mit Liguster oder Wildrosen bieten von Frühjahr bis Sommer Nahrung für unsere kleinen Mitarbeiter.

Und vielleicht findet sich ja eine kleine Ecke im Garten, in der man statt Zierrasen auch einfach mal eine Wildblumenwiese wachsen lassen kann.



Dir gefällt mein Blog? Dann folge mir doch einfach, wie es dir am besten gefällt:
       BlogConnect

Kommentare:

  1. Liebe Heidi,
    ein sehr interessanter und informativer Artikel ! :-). Er erinnert mich u.a. daran, dass ich unser selbst gebautes Insektenhotel unbedingt "auffüllen" bzw. reparieren muss, damit es wieder bezogen werden kann . Herzliche Grüße, Birthe :-)

    AntwortenLöschen
  2. Ich finde Insektenhotels auch klasse! Man tut damit soo viel Gutes für die Umwelt und, eben, auch für sich selbst (Stichwort Schädlingsbekämpfung). Interessant ist auch, dass man die Hotels ja eigentlich ganzjährig belegt sind. Inseltenhotels bieten ihren Bewohnern ja auch den perfekten Winterunterschlupf, wenn der Standort entsprechend wettergeschützt gewählt wird und eine kompakte Bauweise dem Auskühlen des Hotels entgegenwirkt.
    LG Enrico

    AntwortenLöschen

weiter zurück Startseite
Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...